Ritterkreuzträger


Hoffend, Jakob
Ritterkreuz am:
07.02.1945
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    Bundeswehr > Allgemeines


»Allgemeines« [BW-Kasernen] [Letzte Dienstgrade] [Geburtsjahrgänge]


» Als die Bundeswehr 1955 zu den Fahnen rief, war der Arbeitsmarkt leergefegt. Das "Wirtschaftswunder" begann. Erstklassige einstige Soldaten ließen sich nur schwer überreden, den Job zu wechseln. Die Diskriminierung vieler früherer Soldaten hielt bewährte Militärs ab, sich um eine Reaktivierung bei der Bundeswehr zu bemühen. Ehemalige Offiziere, die sich gern beworben hätten, wurden abgewiesen von einem Apparat, der den Beamten über den Soldaten stellte. Nach einigem Zögern entschloss sich dennoch mancher frühere Soldat, angesichts der Lage in dem geteilten Deutschland noch einmal seinem Vaterland aktiv zu dienen.

» Die oberste Bundeswehrführung verkündete bei der Gründung der neuen westdeutschen Streitkräfte am 12. November 1955, dem 200. Geburtstag des großen preußischen Heeresreformers Scharnhorst, stolz, daß mit diesem Datum eine neue Epoche in der Geschichte des deutschen Wehrwesens begönne. Es wurde festgestellt, diese neue Armee sei aus dem Nichts aufgebaut worden, wodurch die Zäsur gegenüber der Vergangenheit betont werden sollte. Allerdings ist diese Behauptung nur teilweise zutreffend. Denn das Führerkorps der Bundeswehr entstand in den fünfziger Jahren natürlich aus dem jüngsten Frontkader der Wehrmacht. Offiziere, die sich besonders bewährt hatten, wurden unter den Freiwilligen ausgewählt, manche von ihnen mit großer Anstrengung geworben, vor allem die in der neuen Truppe zahlreichen Ritterkreuzträger. Es waren dies Soldaten, auf deren Dienst sogar die Gegner von einst größten Wert legten.

» An der Spitze der jungen Bundeswehr standen jene Offiziere, die Kaiserreich, Weimarer Republik und Drittes Reich durchlebt und durchlitten hatten. Alle Offiziere vom Oberst aufwärts waren streng darauf überprüft worden, daß sie nicht in Kriegsverbrechen verstrickt waren. Aus ihrem gereiften und reichhaltigen Erfahrungsschatz schöpfend, waren sie beseelt, gute und zeitlose Werte und Traditionen mit neuem Gedankengut zu verschmelzen, um der politischen Führung starke Streitkräfte zum Schutze des freien Teils von Deutschland an die Hand geben zu können.

» Mit der Wiederverwendung des in den Freiheitskriegen 1813 geschaffenen Eisernen Kreuzes als Symbol an den Kampffahrzeugen der Bundeswehr wurde allen Anfeindungen zum Trotz an eine tausendjährige christlich-abendländische Tradition und Ethik, verkörpert im Deutschen Ritterorden, angeknüpft. Die damalige Bundeswehrführung war sich bewusst, daß es ohne Tradition nicht geht. Dabei war klar, daß Tradition nicht Geschichte ist, sondern eine Auswahl aus der Geschichte bedeutet. Was blieb, war das schwierige Problem der Auswahl, aber keineswegs ein Zwang, irgendeine Phase der Vergangenheit total auszuklammern. Unumstritten war, daß die Pflege von Traditionen ein unverzichtbarer Bestandteil des Geisteslebens ist.

» Etwa 40.000 Unteroffiziere und Offiziere, die aus der Wehrmacht stammten, bauten die Bundeswehr auf. 711 von ihnen waren Inhaber des Ritterkreuzes; allein 114 von ihnen erreichten die höchsten militärischen Ränge, waren Generale und Admirale. Sie hatten die in dem Bundeswehr-Eid vorgegebenen Tugenden, treues Dienen und Tapferkeit in schwerster Zeit gelebt. Sie waren es, die den beispiellosen Aufbau der Bundeswehr von Null auf 300.000 Mann in nur fünf Jahren ermöglicht haben und die dringend benötigten, vielfältigen Erfahrungen einbrachten.

» Natürlich vermochten die wenigsten von ihnen, ihre herausragenden militärischen Einzeltaten im Frieden auf andere Weise zu wiederholen. Aber es zeigte sich, daß die höchste Kriegs- und Tapferkeitsauszeichnung in ihrer Wirkung fortdauerte, daß eine Verpflichtung unauflösbar geblieben ist. Für zahlreiche junge Soldaten wurden sie zu Vorbildern. Bis in die sechziger Jahre hinein gab es kaum ein Kampftruppenbataillon, kein Geschwader oder eine Brigade, an deren Spitze nicht ein Ritterkreuzträger stand. In den Schulen gaben sie als Lehrer ihr Wissen an die Jüngeren weiter. Als der erste Kanzler der Bundesrepublik, Konrad Adenauer, 1967 zu Grabe getragen wurde, geleiteten Bundeswehr-Generale und Admirale, die sämtlich mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet worden waren, den Sarg in den Kölner Dom. Bis Ende der siebziger Jahre führten Ritterkreuzträger Verteidigungsbezirke, Brigaden, Divisionen und Korps, bekleideten die Posten von Inspekteuren und Generalinspekteure oder waren in höchsten Nato-Verwendungen eingesetzt.

» Das Ansehen der Ritterkreuzträger in der Bundeswehr ist unter den Soldaten hoch geblieben, weil offensichtlich nur sehr wenige den Anforderungen und besonderen Leistungen, die man auch im Frieden erwartete, nicht gerecht geworden sind. Diese Kriegsgeneration vermittelte fast 25 Bundeswehr-Jahrgängen Erfahrungen und Werte, die die Truppe zu einer international respektierten und schlagkräftigen Armee formten. Der letzte Ritterkreuzträger schied 1984 aus dem aktiven Dienst aus. Die derzeit amtierende Bundeswehrspitze hat Ritterkreuzträger als Vorgesetzte auf allen Ebenen erlebt.

» Aber auch in der aktiven Traditionsbewahrung dienten oder dienen Ritterkreuzträger als Vorbilder für die jungen "Staatsbürger in Uniform". So besaß die Marine einen Lenkwaffenzerstörer, der den Namen des mit dem Schlachtschiff "Bismarck" untergegangenen Admirals und Ritterkreuzträgers Günter Lütjens trug. Dem zum Selbstmord getriebenen Brillantenträger und Generalfeldmarschall Erwin Rommel zu Ehren wurden ein Infanteriewettbewerb und ein Lenkwaffenzerstörer benannt. Dem gefallenen Schwerterträger Oberst Georg Freiherr von Boeselager zu Ehren wurde ein Nato-weit ausgetragener Wettbewerb der Panzeraufklärungstruppe gewidmet. Das Stabsquartier der 3. Luftwaffendivision in Berlin sowie das Jagdgeschwader 73 im mecklenburgischen Laage führen den Namen des Schwerterträgers und Bundeswehr-Vier-Sterne-Generals Johannes Steinhoff. Nach dem vermißten Eichenlaub-träger Josef Schreiber wurde in Immendingen die "Oberfeldwebel- Schreiber-Kaserne" benannt.

» In der Zeit des Kalten Krieges, als die Gefahr des sowjetisch-kommunistischen Imperialismus gerade in Deutschland sichtbar war, wagte es aus guten Gründen niemand, das Traditionserbe der Wehrmacht, welches die etwa 40.000 früheren Wehrmachtsoldaten in die Bundeswehr hineingetragen hatten, anzuzweifeln. Doch wenige Jahre nach der Wiedervereinigung und etwa eine Dekade nachdem die letzten kriegsgedienten Soldaten und damit auch die letzten Ritterkreuzträger aus der Bundeswehr entlassen wurden, werden sie politisch als Belastung empfunden. Sie wurden zu Opfern eines Kulturkampfes. Denn in Wahrheit gehört die Debatte um die Bewahrung und Pflege von militärischen Traditionen - auch und gerade aus der Wehrmacht - zu dem Kulturkampf Links gegen Rechts, der Deutschland seit Jahren bewegt. Es geht dabei um die Frage, wer Deutschlands Geschichte interpretiert, wer unsere Wertvorstellungen bestimmt, wer erlaubt, was gedacht, geschrieben und gesagt werden darf.

» Die Gegner der Bundeswehr, ja letztendlich der deutschen Demokratie, haben längst begriffen, daß man die Legitimation der heutigen deutschen Streitkräfte in Zweifel ziehen kann, indem man ihre historischen Vorläufer, insbesondere die Wehrmacht, diffamiert. Das eigentliche Ziel der zumeist kommunistischen Agitatoren ist es, durch systematische Zersetzungstätigkeit die Wehrhaftigkeit dieser Demokratie zu untergraben und damit zum Einsturz zu bringen. Unserer Verteidigungsfähigkeit sollen die Grundlagen entzogen werden, auch die sittlichen.

» Ende der neunziger Jahre zeigte diese Kampagne Erfolge: Insbesondere die sogenannte bürgerlich-konservative Volkspartei CDU war ins Wanken geraten. Die Wehrbeauftragte Claire Marienfeld (CDU) und Bundesverteidigungsminister Volker Rühe (CDU) stritten darüber, ob in der Bundeswehr "die gebotene Distanz zur deutschen Wehrmacht" eingehalten wird. Es begann ein regelrechter Bildersturm. Erinnerungsgegenstände, Fotos, Bilder, Uniformen, die aus der Wehrmachtzeit stammten, wurden systematisch aus den Unterkünften der Bundeswehr entfernt. Kasernen wurden umbenannt. Der Dresdner CDU-Bürgermeister boykottierte ein Treffen der Ritterkreuzträger in seiner Stadt, die Bundeswehr selbst verweigerte - wie später auch in Hammelburg - die militärischen Ehren.

» Diese Reaktionen gegenüber den kriegsgedienten, einstigen Bundeswehr-Angehörigen sowie ihren oft gefallenen Kameraden wirkten verletzend und spaltend. Derartige Maßnahmen waren bisher Kennzeichen von ideologisch gleichgeschalteten Streitkräften totalitärer Systeme, nicht aber die einer selbstbewussten, staatstragenden Armee einer Demokratie.

» Um politisch "korrekt" zu sein, knickten einige herrschende Politiker, allen voran Verteidigungsminister Rühe mit Duldung von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU), vor den Gegnern der Bundeswehr ein und opferten auf dem Altar des Zeitgeistes ohne Not einen Teil der militärischen Tradition. Als dann Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) am 5. März 1999 die seit den fünfziger Jahren bestehenden dienstlichen Kontakte der Bundeswehr zu der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger (0dR) verbot, vollendete er damit nur das Werk seines Amtsvorgängers Rühe. Auf Reaktionen, gar klärende Worte von Spitzenmilitärs, gerade auch die für Soldaten geltende Tugend "Mut vor Fürstenthronelf" vorzuleben, wurde vergebens gewartet.

» Es fügt sich in dieses geistige Klima, das aus vorurteilen und mangelndem Augenmaß gespeist wird, daß dem erfolgreichsten U-Boot-Kommandanten und späteren Bundeswehr-Admiral Otto Kretschmer seitens des Bundesverteidigungsministers kein Nachruf gewährt wurde. Bemerkenswert ist, daß im Gegensatz dazu die britische Admiralität Tapferkeit, Scharfsinn und Auftreten des ehemaligen Kriegsgegners würdigte und die englische Tageszeitung "The Daily Telegraph" (Auflage von 1,084 Millionen) ihm einen achtspaltigen Nachruf widmete.

» Deutsche Politiker und Militärs wollen offensichtlich verdrängen, daß das Fundament unseres Lebens immer noch besteht aus Opferbereitschaft und Verzicht. Daß jede Generation, damals wie heute, bereit ist, sich einzusetzen für das, was sie für gut und richtig hält und Soldaten immer auch Opfer der Kriegsordnung wie der Friedensordnung sind. Bis heute sind Soldaten die "Reparierer" der gravierenden Fehler von Politikern.

» Die Aufgaben der Bundeswehr ändern sich und damit auch ihre Ausbildungskriterien. Die Einsatzbereitschaft der Truppe rückt deutlich in den Vordergrund. Verteidigung ist das übergeordnete politische Ziel. Zu diesem Zweck muß die Bundeswehr nicht nur gut ausgerüstet und ausgebildet sein: vielmehr müssen ihre Soldaten zum Kämpfen bereit, also vom "Wofür" überzeugt sein. Es geht um die sittliche Verfassung der deutschen Streitkräfte, den Geist der Truppe. Und damit stellt sich unvermeidlich die Forderung nach soldatischer Erziehung und soldatischen Vorbildern.

» Die Annahme, die Bundeswehr tue gut daran, militärische Traditionen erst ab Bestehen der Bundesrepublik Deutschland zu suchen und möglichst nicht davor, führt allerdings in die Sackgasse. Die Wehrmacht ist trotz einiger Verstrickungen in Kriegverbrecher, wie übrigens auch andere Armeen, dennoch Übermittler von Werten, Tugenden und Berufseigentümlichkeiten aus 300 Jahren deutscher Militärgeschichte an die Bundeswehr. So hat die Wehrmacht Traditionen übernommen und an die Bundeswehr weitergegeben. Dies zu leugnen entspricht nicht den historischen Tatsachen. Der Bundeswehr-Aufbau erfolgte und gelang ganz ohne die gefürchteten "braunen Flecken", dafür aber mit viel praktischer Erfahrung. Tatsächlich ist die Bundeswehr in nunmehr 45 Jahren nie von ehemaligen Wehrmachtsoldaten kompromittiert worden. Die großen Leistungen der Wehrmachtsoldaten, und unter ihnen natürlich die Ritterkreuzträger, können und dürfen bei einer objektiven Traditionspflege nicht ausgeklammert werden.

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